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Der Versuchsträger
von Marc 'Dreikommanull' Christiansen
Dienstag, den 01. Mai 2012 um 04:44 Uhr

Seit es Leben gibt, gibt es auch Evolution, Weiterentwicklung und Veränderung - sie sind unsere täglichen Begleiter. So ist es auch bei allem was der Mensch geschaffen hat, jedes Etwas unterliegt einer Veränderung, sei es die Zeit die es altern lässt oder aber einfach neue Methoden und Möglichkeiten liefert es anders, besser zu machen.

Beim Automobil ist das nicht anders - war es in den 1950er Jahren noch nicht wirklich notwendig ein Auto massiv zu tarnen und damit so zu entstellen um sein wahres Gesicht vor der offiziellen Veröffentlichung so gut es eben geht zu verbergen, so wurde es ein paar Jahre später mit der aufkommenden Modellvielfalt immer wichtiger. Seit mehr als 30 Jahren werden zukünftige Automodelle extrem verunstaltet damit sich niemand einen Reim drauf machen kann wie z.B. die zukünftige S-Klasse aussehen wird. Die Methode hat System wenn es um den Versuch mit dem neuen Gesamtfahrzeug geht. Doch gibt es auch immer nur kleinere Baugruppen die getestet werden müssen, z.B. kann es sein das man auf einer Autobahn oder im Gebirge einem augenscheinlich vollkommen normalen aktuellen Mercedes begegnet und dennoch hat dieser womöglich schon die Motorengeneration für 2018 an Bord, oder verfügt über ein neuartiges Bremskonzept - die Möglichkeiten sind mannigfaltig.
Gerade am vergangenen Sonntag hatte ich die Begegnung mit einem solchen Wagen - es gibt immer ein paar kleine Merkmale die einen sofort erkennen lassen das hier kein normales E-Klasse Cabriolet an einem vorbeigeflogen kam. 

versuchstraeger

Heutzutage fahren weit mehr solcher Baugruppen-Versuchsträger durch die Lande wie noch vor 30 oder 40 Jahren. Kein Wunder, muss und wird heute noch deutlich mehr an der Zukunft geforscht. Man nahm ja zu Beginn der 1990er Jahre an, dass Optimum an Automobil bereits erschaffen zu haben - das es nicht so war sieht man alle paar Jahre wieder aufs Neue wenn Daimler die neue S-Klasse präsentiert.
Was 1972 hoch gefeiert wurde, war 1979 mit einem Schlag abgelöst. Was erfolgreich war wie noch nie, wurde 1991 mit einem Paukenschlag an Innovationen abgelöst um darauf wieder 1998 neu erfunden zu werden. Und so geht die Kette immer weiter, die heute noch aktuelle S-Klasse kam 2005 auf den Markt und wird aller Voraussicht nach Anfang 2013 beerbt werden.
Gut ist eben nicht gut genug - das Beste oder Nichts! So sagte schon Gottlieb Daimler. Und wie jeder weiß ist das Bessere des Guten Feind!

Warum ich das alles erzähle? Nun ich möchte euch die Welt der Versuchsträger heute und früher näherbringen. Vor ein paar Wochen hatte ich die Gelegenheit einen solchen Wagen eine kurze Strecke zu bewegen. Es handelte sich um einen calcitweissen S350 preMOPF mit dem Kennzeichen "BB-FE 747"*, sonst verriet äußerlich nichts über seine Herkunft aus dem Sindelfinger Fahrzeugversuch.

versuchswagen

Der Wagen verfügt über ein so genanntes "haptisches Gaspedal", was natürlich in korrektem Daimler-Deutsch eigentlich Fahrpedal heissen muss - wie Ihr wisst.

pedal11

Warum heißt es denn jetzt so möchte ich wissen. Die beiden Mercedes-Entwickler Manfred Steiner und Benjamin Lippert erzählen es mir. Haptik beschreibt die Lehre vom Tastsinn und nichts anderes macht dieses Fahrpedal, man könnte es auch "gefühlvolles Fahrpedal" nennen. In erster Linie geht es hier um eine Effizienzsteigerung - oftmals gibt der Fahrer einen Tick zu viel Gas was gar nicht nötig wäre und um ihn hierbei zu unterstützen (nicht zu bevormunden!) hat man dem Fahpedal einen adaptiven Druckpunkt mit auf dem Weg gegeben. Der Druckpunkt wird ständig adaptiv vom Fahrzeug auf die jeweiligen Rahmenbedingungen berechnet und "hinterlegt". Die wichtigsten Parameter hierfür sind gar nicht so neu wie man denken mag. Jeder Verbrennungsmotor hat ein Verbrauchskennfeld in dem er am meisten Leistung im Verhältnis zum Kraftstoffverbrauch abgibt, so etwas stellt man in einem Muscheldiagramm dar. Der spezifische Kraftstoffverbrauch [g/KWh] wird über dem effektiven Mitteldruck und der Drehzahl des Motors dargestellt - so auch in diesem Versuchsträger. Auf dem Bildschirm der gewöhnlich das Comand beinhaltet ist hier dieses Kennfeld dargestellt und zeigt in Echtzeit die Zustände im Motor dar.

pedal3

Es funktioniert beeindruckend perfekt - man merkt sofort das im Fahrpedal ein weiterer Widerstand bzw. genauer gesagt ein Druckpunkt eingebaut ist. Alles unterliegt dem Motto: soviel Leistung wie gewünscht, jedoch nur soviel Kraftstoff wie unbedingt nötig.pedal2

Bis zu diesem Druckpunkt fährt man verbrauchsorientiert, drückt man das Fahrpedal weiter durch so ist man im leistungsorientierten Bereich den man jedoch häufig gar nicht wirklich ausnutzen kann bei den vorherrschenden Verkehrsverhältnissen. Eine weitere Spezialität des haptischen Fahrpedals ist das "Anklopfen" genannte Szenario. Hierfür wird auf die Radarsensoren der Distronic PLUS (Abstandsregeltempomat) zurück gegriffen - erkennt nun die Elektronik das der Fahrer in X Metern ohnehin bremsen müsste so "klopft" das Fahrpedal zweimal leicht und der Fahrer nimmt diesen Impuls im Fuß war. Geht er jetzt sofort vom Fahrpedal so kuppelt der Motor aus (oder deaktiviert sich umgehend, je nach Fahrzeugkonzept) und der Wagen kann seinen restlichen Schwung ideal ausnutzen.

Und wo bleibt der Vergleich zu Damals fragt Ihr? Zu Recht! An jenem Sonntag an dem ich auch auf das E-Klasse Cabriolet traf, hatte ich das Vergnügen im Rahmen eines kleinen W116-Treffens einen ehemaligen Versuchsträger auf Basis eines 450SEL 6.9 zu sehen und zu erleben!

sechsneun_aussen

Der Wagen ist seit vielen Jahren in Sammlerhand und stammt ursprünglich aus dem Fahrzeugversuch, d.h. er wurde als Werkswagen bestellt (erkennbar an der 291 in der Auftragsnummer auf der Datenkarte) und dann auf Sonderwunsch mit diversen Besonderheiten ausgestattet: u.a. mit Stoffpolsterung mit sehr auffälligem Dessin, zwei passenden Daunenkissen, spezielle Veloursteppiche, ebenfalls speziell angefertigte Holzkonsole mit Halterung für Amperemeter, Außenthermometer und damit verbundene Veränderung der gewöhnlichen Schalteranordnung.

sonderschalter

Die Besonderheit(en) an diesem Wagen sind aber vielmehr dass er bereits für die elektrisch verstellbare Rücksitzbank vorgesehen ist (besondere Sitzwanne und Befestigungen im Rohbau), deshalb nennt man so etwas auch "Vorauswagen". Eigentliches Highlight ist aber ein besonderer, handgefertigter Schalter für die vorderen Gurte die man mittels des Schalters "entspannen" kann. Somit hat ein angelegter Gurt keine ein- oder beengende Wirkung mehr. Gerade in den 1970er Jahren gab es viele Widerstände in der Bevölkerung gegenüber dem Sicherheitsgurt, u.a. eben wegen der einengenden Wirkung.

sechsneun_innensechsneun_innen2

 

 

Diese wirklich einmalige Besonderheit funktioniert auch heute noch, 35 Jahre nachdem der Wagen im Werk Sindelfingen produziert und vom Versuch aufgebaut wurde - Sagenhaft!

Erstmals verbaut wurde eine automatische Gurtentspannung in der S-Klasse W140 ab 1991. Auch heute noch haben die größeren Mercedes-Modelle dieses Feature serienmässig. Man merkt es nur wenn man darauf aktiv achtet. Legt man z.B. den Gurt an und aktiviert danach erst die Zündung so merkt man wie sich plötzlich das "Gurtgefühl" in Luft auflöst, eine Feder entspannt den Gurtaufroller und nimmt so das leicht beklemmende Gefühl gänzlich.

gurtkomfort

 

 

 

 

Warum man sich mit der Einführung so viel Zeit gelassen hat liegt (wie immer) auf der Hand. Erst mit modernen Gurtstraffern kann man die gefährliche und in Fachkreisen als Gurtlose bezeichnete Lockerheit des Sicherheitsgurtes im Falle des Falles wieder ausmerzen - denn der Gurt muss stramm am Körper anliegen wenn es darauf ankommt!

 

 

Dieser besondere SechsNeuner ist heute im Besitz von Hartmut Rauter der auch eine nett anzusehende Website über die Fahrzeuge mit dem großen V8-Motor betreibt - klickt auf www.m-100.de rein.

Also, achtet mal auf die modernen Mercedes-Autos die Euch mit Böblinger Zulassung begegnen - es könnte sein dass Ihr soeben Bekanntschaft mit der Zukunft gemacht habt.

 

* Das Kennzeichen ist fiktiv

 
Tanz in den Mai
von Johannes 'Fünfkommasechs' Schlörb
Freitag, den 27. April 2012 um 23:46 Uhr

Ein großer Kontrast zum traurigen Thema unseres letzten Eintrags hier. Aber wer weiß, wo diese Website überall gelesen wird. Jochen hat sie immer gelesen... vielleicht klickt er sie jetzt gerade an... und schon allein deshalb soll sie unterhaltsam bleiben, wenn auch vorerst nur mit einem kleinen Status-Update: des Blauwals ausgedehnter Osterurlaub im Musikantenweg, Frankfurt-Bornheim, ist nämlich endlich vorbei!

Hangar
WDB1260391A488599 zurück in seinem Zimmer, dessen Boden er zuletzt immer wieder gerne "markiert" hat. Ob er jetzt stubenrein bleibt?

Ich durfte vorhin einen (fast) 23jährigen Jungspunt nach Hause manövrieren, der seine Körperflüssigkeiten endlich wieder bei sich behalten (HPF-Druckleitung, Hydraulikpumpe und Lenkgetriebe erneuert/abgedichtet), kraftvoll zubeißen (Bremsabstützungen entrostet, erneuert) und mit federndem Gang die Boulevards von Mainhattan erobern kann (HPF-Druckspeicher neu). Leider war heute nur Zeit für einen äußerst kurzen Ausritt am frühen Abend, aber den habe ich im Video festgehalten, denn die neue Lebensfreude merkt man dem Blauwal an!

Wir wünschen Euch einen ebenso "beswingten" Start ins lange Wochenende samt Brückentag!

 
Ein trauriger Tag
von Johannes 'Fünfkommasechs' Schlörb
Samstag, den 21. April 2012 um 08:05 Uhr

jochen
Jochen Kleiner, 1963-2012 | Foto: Mario Schmidt

Uns erreicht die traurige Nachricht, daß Jochen Kleiner nicht mehr unter uns ist. Eine große Gemeinschaft verliert mit Jochen einen wunderbaren Menschen, den wir als einen liebenswürdigen, absolut verläßlichen, stets hilfsbereiten, immer neugierigen und aufgeschlossenen Freund kennengelernt haben.

Jochen hat sich für Menschen mindestens ebenso interessiert wie für unser gemeinsames Hobby. Gute Gesellschaft und Geselligkeit bedeuteten ihm alles. Er stand wie niemand anderes mit Rat und Tat zur Seite, war Gastgeber vieler beinahe legendärer Treffen, für die er den augenzwinkernden Begriff "Schrauberkränzchen" mit prägte und an die wir uns gerne zurückerinnern. Das letzte dieser Treffen fand gerade erst am vergangenen Wochenende statt.

Lieber Jochen, die Nachricht von Deinem Tod trifft uns völlig unerwartet und läßt uns fassungslos zurück. Wir vermissen Dich.

 
300² - oder der Tag, an dem ich Segeln lernte.
von Marc 'Dreikommanull' Christiansen
Dienstag, den 10. April 2012 um 02:12 Uhr

Wie könnte man etwas anderes erwarten, so geht es bei mir natürlich wieder um die 300. Nicht ohne Grund heiße ich hier ja auch Dreikommanull - dem Kollegen Schlörb sei Dank!

Und das kam so: habe ich mich doch seinerzeit durch die Partei Bündnis90/Die Grünen dazu hinreissen lassen und mir eines dieser angepriesenen Dreiliter-Fahrzeuge gekauft. 

Das war bereits Ende 1999… ich zählte gerade 20 Lenze und hatte nun ein richtig gutes Gefühl - verfügte doch mein neuer Dreiliterwagen auch über einen geregelten Katalysator - es hatte nicht viel gefehlt und man hätte mich einen Umweltaktivisten nennen können!

sommer_2011

Etliche tausend Liter Kraftstoff später und viele Jahre weiter schreiben wir unser Jahr 2012. Mittlerweile bin ich natürlich dahinter gekommen dass damals nicht der Hubraum sondern der Durchschnittsverbrauch proklamiert wurde. Tja, nun ist es zu spät meine lieben Grünen - aber meine BlechDiva™ gebe ich nicht mehr her. Wir haben ein unsichtbares & doch untrennbares Band zwischen uns und werden gemeinsam alt werden.

Warum nun 300² fragt Ihr euch? Hmm, wie fange ich am besten an… okay, das war so: eines Montag Morgens klingelte das Telefon und ein sympathischer Herr lud mich dazu ein den neuesten Sprössling der Mercedes-Benz Familie zu erfahren: den E300 BlueTEC HYBRID.

 

bluetechybrid 

Jaaaa, ich höre euren Aufschrei, kein Vollmetall-Daimler und dann noch "nur" eine E-Klasse. Aber nun wartet doch erst einmal ab. Auch wir von 5,6 schauen gerne mal über den Tellerrand, denn das heuer 1 Liter SuperPlus zu 1,85 EURO gehandelt wird ist ein Umstand der sich nicht mehr wirklich ändern wird - leider wohl eher im Gegenteil.

Und nein (!) wir wollen niemanden überreden seinen treuen W126 zu veräussern um sich einen neuen Mercedes zu kaufen - eher soll dies hier mal ein kleiner Ausblick werden auf das was heute entwickelt wird bzw. schon entwickelt wurde, denn der neue 300 Hybrid ist eine Tatsache die ab dem 3.Quartal beim Händler stehen wird.

 

Tee_vorne

 

Wie war das eben? Achja, Anruf, Einladung… und schon stand ich in Stuttgart-Möhringen auf der Piazza umzingelt von vielen netten Menschen und ganz vielen tollen Sternen. U.a. eben einer Armada von E300 Hybrid Fahrzeugen, mit und ohne Sportpaket mit und ohne Tee (wie jeder sicherlich weiss nennt Daimler auch heute noch seine Kombimodelle T-Modell).

Die Wahl ist schnell getroffen - ein T-Modell muss es sein, der Grund ist schlicht frappierend, es stellt den derzeit einzigen Kombi-Hybriden dar den man käuflich erwerben kann und dazu bietet er auch genug Platz für meinen Weekender.

 

Tee_hinten

 

Wer sich jetzt immer noch fragt was das Alles soll und vor allem was es mit 5,6 zu tun hat, dem möchte ich eine Antwort mit auf den Weg geben: verantwortungsbewusste Mobilität auch in der Zukunft!

Das was 1979 mit sehr ähnlichen Worten eines der Kernthemen war als unser verehrter W126 auf die Bühne der Straßen gelassen wurde ist heute nicht minder aktuell - das Thema hat sogar noch etwas mehr an Dramatik gewonnen.

Wobei man sagen muss dass die Väter des W126 damals davon ausgingen, im Jahre 2000 wäre das Erdöl längst versiegt - ein Glück dass es nicht soweit gekommen ist. Aber Verbräuche von 15 Liter und mehr sind heute nicht mehr Alltagstauglich und das wissen auch viele Fahrer eines W126 - wenn sie ehrlich mit sich selbst sind - denn warum sonst haben sich so viele eine Gasanlage in ihr Auto einbauen lassen? Für uns von 5,6 kommt so etwas bekanntlich nicht in Frage, wir geniessen unsere KE-Jetronic lieber so wie sie erdacht wurde... pur.


piazza

 

Nun zurück zum heutigen Hightechmodell (dem was der W126 im Jahre 1979 auch war). Warum aber eine E-Klasse? Nun denn, der Vergleich passt sehr gut, die Aussenabmessungen sind recht ähnlich, im Innenraum aber hat der W212 genannte E sogar weit mehr Platz für die Passagiere zu bieten als unser W126, Kofferraumvolumen ebenfalls. Das Fahren in einer E-Klasse von heute hat auf alle Fälle etwas S-Klassiges, besonders noch wenn die zahlreichen Assistenzsysteme an Bord sind. Mein Testwagen E300 ist voll davon - gleich beim Start fällt das völlig andere Zeitalter auf. Der Zündschlüssel ist ohne Metallbart, die Lenkradsperre wird elektronisch entriegelt, Zündung Stufe II ist wieder wie im W126, doch dann, der Motorstart findet statt ohne das ein Motor gestartet wird. Es erscheint schlicht ein grünes "READY" im Tachometerdisplay und die Klimaanlage fängt an eine frische Brise in den Fahrgastraum zu fächeln.

 

verbrauch5komma6

 

Nun gut sage ich mir, Fahrstufe "D" einlegen und ab dafür - der Wählhebel nennt sich heute DIRECT SELECT und sitzt kompakt rechts hinter dem Lenkrad (praktisch wie zuletzt bei W108 und Strich8). Dafür gibt es nun zwei nicht minder interessante Cupholder in der Mittelkonsole.

Apropos: hat sich von euch noch nie Jemand die Frage gestellt warum der W126 eigentlich nicht einmal einen einzigen Cupholder besitzt!? Nirgends kann man eine Dose Cola oder Flasche Wasser unterbringen. Immer rollt es umher und nimmt Platz weg, ganz so als hätte man in den 1980er Jahren niemals Durst verspürt wenn man auf den Autobahnen, Highways oder Autostradas der Welt unterwegs war. Nun gut, ich rolle zur Schranke beim Pförtner und überrasche diesen sogleich, denn der Motor des E300 ist noch keine Sekunde in Betrieb gewesen, die ersten paar Meter lege ich völlig geräuschfrei mittels Elektroantrieb zurück.

 

daimler_einfahrt

 

Doch tritt man fester aufs Gas.. Pardon Fahrpedal so saust der Wagen umgehend davon - der Selbstzünder springt in Millisekunden an und ist gleich voll da. Was ein Selbstzünder? Ja, im E300 Hybrid werkelt ein Dieselmotor, noch dazu mit serienmässigem Etikettenschwindel, denn es ist kein Dreiliter sondern lediglich ein 2,2 Liter Triebwerk.

Aber das alles bereitet der Freude keinen Abbruch, der Wagen verfügt immerhin über 150 KW die im Spurt sogar von den 25 KW des Elektromotors unterstützt werden können. Dies alles in Verbindung mit der neuesten Getriebeautomatik die auf die klangvolle Bezeichnung 7-G Tronic PLUS hört lässt mich keine Sekunde daran zweifeln mit was für einem tollen Konzept ich bzw. WIR es hier zu tun haben.

 

Engine

Accu

 

Heutige Mercedes verfügen - sofern es geordert wurde - über eine ganze Armee an Assistenten die den Fahrer aktiv (und passiv) unterstützen. Waren es im W126 noch das fast schon obligatorische ABS und bei den späteren Modellen häufiger verbaute ASR, so haben wir hier ESP, Adaptive Brake, BAS und wie ganzen Systeme noch so heissen. Wirklich phänomenal aber ist der Tempomat DISTRONIC PLUS - Dank Radarsystem ist er in der Lage den Wagen absolut autonom durch den Verkehr zu leiten, ich konzentriere mich aufs Lenken und geniesse die Fahrt. Es ist wirklich erstaunlich wie toll diese Systeme heute arbeiten, zumal wir ja alle wissen dass solche Abstandsregelsysteme erstmals im W126 erprobt wurden. Selbsttätig wird gebremst und wieder beschleunigt, der Abstand exakt eingehalten wie von mir eingestellt - so macht auch eine A81 am Freitag Nachmittag Spaß.

Lasse ich es doch einmal zu Laisser-faire angehen und komme vom rechten Kurs ab, so vibriert entweder das Lenkrad und macht mich darauf aufmerksam oder der Wagen leitet eine Kurskorrektur ein und bremst die gegenüberliegenden Räder ab um den Wagen wieder auf seine Spur zu ziehen, untermalt wird dies dann von einer Grafik im Farbdisplay des Tachometers. Nicht das Ihr jetzt denkt das wäre beängstigend, ganz im Gegenteil, es ist so genial gelöst das es ein wahrer Spass ist. German Engineering at it's Best!

Die Geschwindigkeit verringert sich auch nur um 2-3 Km/h, man wird also nicht zum plötzlichen Problem für den fliessenden Verkehr.

 

Da die A81 in Richtung Süden über etliche starke Gefällestücke verfügt bemerke ich relativ schnell das mit dem Wagen (vermeintlich) etwas nicht stimmt. Je nach dem wie schnell ich unterwegs bin bzw. wie wenig stark ich auf dem Fahrpedal stehe schaltet sich der Motor ab. Ja wirklich, einfach ab!

Doch schnell fallen mir hier wieder die Worte ein die vorhin noch vom Projektmanager an die Teilnehmer dieser Tour gerichtet worden waren: der E300 BlueTEC HYBRID beherrscht "Coasting" bzw. zu Deutsch, Segeln!

Ja richtig, der Wagen kann Segeln und das auf der Straße, nicht zu Wasser. Je mehr ich mich darauf konzentriere um das System bzw. sein Verhalten überhaupt wahrzunehmen, desto mehr Spass bereitet es mir. Denn auf der Energieflussanzeige im Display der Mittelkonsole (dem COMAND-Display) kann man sich ein Verbrauchsdiagramm anzeigen lassen und sieht so sehr eindrucksvoll wie ökonomisch (oder eben nicht) man unterwegs ist. Für alle die es nicht glauben können: Energie sparen kann Spass machen, ja wirklich.

 

verbrauchsmonitor

 

Während ich mit dem Wagen die Autobahn entlang rolle und Teilstücke nur im Segelbetrieb bestreite fällt mir wieder auf wie schön doch die Zukunft bzw. Realität sein kann. Was wirklich die Faszination Mercedes ausmacht - das wofür unser W126, jeder 300SL Flügeltürer oder ein Strich8 steht. Dies alles ist in jedem modernen Mercedes ebenso manifestiert - es wird bewusst erlebbar.

Wahrscheinlich hat sich so ähnlich die erste Ausfahrt in den neuen Reiselimousinen der S-Klasse angefühlt als Anfang 1980 die Journalisten diese Modelle erfahren konnten.

 

Ich erwische mich selbst dabei wie ich der Faszination fast vollends erlegen bin, denn auch dieser nagelneue Wagen ist ein Mercedes durch und durch. Klar verfügt er nicht über alle Tugenden die der W126 spielend beherrscht, dafür aber kann er Kunststücke und Dinge ermöglichen die dem W126 völlig fremd sind.

Beide müssen aber auch nicht Alles können - jeder Mercedes hat seine Epoche in der er "State of the Art" ist bzw. war. Speziell der W126 ist dies noch heute und gerade das macht ihn so wertvoll. Es macht keinen Spass über verstopfte Straßen zu Berufsverkehrszeiten zu fahren, dafür hat sich in den vergangenen 20-25 Jahren einfach zuviel verändert, dies alles kann ein neuer Mercedes einfach besser und nicht zuletzt (neben dem enormen Kraftstoffeinsparpotential) ist es eben auch die Sicherheit die einen Mercedes ausmacht! Es gibt immer nur ein einziges Auto auf der Welt in dem man sich sicherer und geborgener fühlt als in einem Mercedes und das ist der jeweils neuere Mercedes!

 

strandsegler

 

Hier noch ein paar technische Details zum Hybriden: er kann bis zu 2 Kilometer mit geringer Geschwindigkeit rein elektrisch bewältigen, mehr würde keinen Sinn machen, denn dies ginge gleichzeitig mit mehr Gewicht durch den deutlich größeren Akku (und auch mehr Platzbedarf der Technik) einher - dadurch resultierend weniger Einsparpotential. Angegeben wird der E300 BlueTEC HYBRID mit 4,2-4,5 L/100Km… dazu sage ich nur, das es problemlos möglich ist um 5 Liter Verbrauch zu erzielen, ein sagenhafter Wert für ein Auto das knapp 1,9 Tonnen wiegt (ca. 100 Kg Mehrgewicht bringt der Hybridantrieb mit sich) wie ich finde.

Alles ist vollkommen unauffällig integriert und es fanden auch keine Veränderungen im Innenraum oder Kofferraum statt - es ist praktisch eine normale E-Klasse die aber absolut fit für die Zukunft ist und - sofern gewünscht - auch den Spiel- sowie Informationstrieb des Fahrers vollkommen befriedigen kann.

 

Fazit für mich: absolut empfehlenswerter Wagen für den Alltag, hätte ich gekonnt, so wäre der Hybrid auch heute noch bei mir - selbstverständlich nur als Ergänzung für den Alltag und die anstrengenden Seiten des Lebens. Für das Wochenende und die sonnigen Seiten bleibt mein W126 (wie oben bereits geschrieben) auf ewig bei mir.

Warum wir bei 5,6 über solch ein neues Automobil berichten? Weil wir denken dass man ruhig auch den Anschluss an die heutige Zeit wahren sollte, es immer mal wieder interessante Themen und Neuentwicklungen gibt die es wert sind dass man über sie berichtet. Und letztendlich ist doch die Hälfte der Dinge die heute Standard sind in einem Mercedes der Baureihe 126 erstmals erprobt worden.

 
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