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| Aus Pflaumenmus wird Pflaumensaft |
| von Johannes Schlörb |
| Sonntag, den 09. Mai 2010 um 10:05 Uhr |
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Exakt 65 Jahre nach Kriegsende steht fest: ein (wenn auch nur partieller) Ölwechsel im Servolenkungsgetriebe lohnt ungemein und hat ein in meinem Falle sogar drastisch verbessertes Ansprechverhalten der Lenkung zum Ergebnis. Konnte man das mächtige Steuer vorher mit einer sanften Fingerbewegung um bis zu 8 Zentimeter auslenken, so sind es jetzt nur noch eineinhalb bis zwei Zentimeter Lenkspiel. Für den großen 560er mit seinem altmodischen Kugelumlauf-Lenkgetriebe und der beträchtlichen Achslast vorne ist das an Straffheit kaum zu überbieten, zumal nach über 20 Jahren und fast einer Viertelmillion Kilometer.
Dieses freundlich dreinblickende Lakritzgesicht ist der Schraubverschluß des Lenkgetriebe-Ausgleichsbehälters, und der wiederum war über die lange Winterpause mächtig ins Schwitzen geraten. Natürlich wird ein Betriebsflüssigkeitswechsel nicht über einen Ausgleichsbehälter vorgenommen. Am unteren Ende des Lenkgetriebes gibt es eigens eine Ablaßschraube, um mit dem Altöl auch die Sedimente gleich mit abführen zu können. Dies erfordert aber das Vorhandensein einer Grube oder Hebebühne, die den wenigsten Laienschraubern zur Verfügung steht. Wir beschreiben hier daher die unkonventionelle und sicher weniger gründliche Methode über den Ausgleichsbehälter, die trotzdem ihre lenkungsstraffende Wirkung nicht verfehlt! Der Deckel läßt sich dank Lachgesicht ohne Werkzeug öffnen, ein Blick hinein macht also wenig Mühe. Ein leicht abzuhakender Prüfpunkt beim Gebrauchtwagenkauf! Besondere Vorsicht ist hier nur vonnöten, wenn man kurz vorher eine größere Strecke gefahren ist. Dann sind dieser Ausgleichsbehälter und der Ventildeckel des Motors dahinter natürlich mehr als handwarm :-) So sah in den Achtzigern sonst nur die Brühe in der dauerwarmen Büro-Kaffeemaschine aus – und roch wohl auch ähnlich: Gut möglich, daß ein Teil des erheblichen Lenkspiels auch dem etwas niedrigen Ölstand geschuldet war. Die Konsistenz dieser Flüssigkeit hat mit Servo-Öl aber ohnehin nur noch den Namen gemein. Mit einer großen Einwegspritze aus der Apotheke läßt sich die nach einigen Kilometern Fahrt noch küchenwarme Bratensauce leicht absaugen. Das Einmachglas füllt sich langsam. Im Ausgleichsbehälter sind jeweils ca. 400 ml braune Sauce enthalten. An dessen Boden kommt der alte Ölfilter zum Vorschein: Insgesamt befinden sich gut eineinhalb Liter Servo-Öl im System. Über den Ausgleichsbehälter können wir jeweils nur bis zu einem halben Liter Altöl absaugen und frisches Öl nachkippen. Der Plan ist, nach jedem Nachfüllen den Ausgleichsbehälter zu verschließen, um altes und neues Öl durch einige Kilometer kurvenreicher (!) Fahrt gut zu durchmischen und den Behälter danach mit der Spritze erneut leerzupumpen. Anschließend wird jeweils wieder frisches Öl aufgefüllt, der Behälter verschlossen und wieder ein wenig gefahren und rangiert. Das Procedere wiederholt sich so oft wie Ölflaschen zum Nachfüllen zur Verfügung stehen. Die krasseste Verbesserung im Lenkverhalten stellte sich in meinem Falle aber bereits nach der allerersten Frischzellenkur ein! Der alte Ölfilter kann und sollte während der Misch-Durchläufe noch im Behälter verbleiben. Ich habe ihn aber schon gleich zu Anfang einmal der Neugier halber entnommen (und nur für das Mischen wieder eingesetzt). Beim großen Zweitserien-V8 liegt der Ausgleichsbehälter etwas eingezwängt und schwerer zugänglich als bei den Reihensechszylindern:
Um den Filter zu entnehmen, müssen Feder samt Plastikkopf darüber nach oben abgezogen werden. Der wiederum wird von einer 10er-Mutter auf einer langen Gewindestange nach unten gedrückt. Da sich das Biest nicht von oben mit einer Stecknuß fassen läßt, muß man statt mit der bequemen Ratsche mit konventionelleren Mitteln herumfrickeln. Mit einem Ringschlüssel läßt sich der Plastikkopf untenhalten, um mit der anderen Hand die Mutter von der Gewindestange schrauben zu können. Doch bevor wir den alten Filter entnehmen, nochmal ein kurzer Sichttest, ob der neue auch paßt:
Mit einer langen Zange am Rand greifend, einem Inbusschlüssel durch eines der Löcher gehakt und mit viiiel Geduld kann man das Filtersieb langsam nach oben aus den Behälter ziehen. Dabei wird es sich gefühlte 500mal verkeilen, bis man schließlich lernt, möglichst ohne Kraftaufwand und mit angehaltenem Atem zu arbeiten. Hat man es schließlich geschafft, entschädigt dieser unvergleichliche Anblick eines zu einem Fossil versteinerten Ölfilters des letzten Jahrtausends inmitten einer undurchdringlich trüben Plörre für die Mühen:
Und so sieht der Ausgleichsbehälter nach Entnahme des dreiteiligen Filters und bestmöglichem Absaugen mit der dicken Einwegspritze von innen aus:
Nach Wiedereinsetzen des alten Filters und Verschließen des frisch aufgefüllten Servoöl-Behälters ist bei Inbetriebnahme sofort ein viel direkteres Lenkverhalten spürbar. Das Lenkspiel ist um gut zwei Drittel reduziert und die Verbesserung damit ganz sicher nicht bloße Einbildung. Dabei sind bis jetzt nur etwa 400 ml neues Öl hinzugekommen. Der Großteil samt altem Filter sind noch im System. Jetzt also heißt es, das alte Öl so gut wie möglich mit dem neuen aufzumischen. 5-10 Minuten langsamer Fahrt durchs Wohngebiet mit kräftigen Lenkeinschlägen reichen, um danach DAS vorzufinden: Noch immer schwarzbraun und trüb, als wäre nichts gewesen – aber bereits mit deutlich besseren Schmiereigenschaften als zuvor. Wir saugen wieder so gut es geht ab und füllen frisches Öl auf (Flasche Nummer 2 von vier ist fast leer). Danach geht's gleich wieder auf Schleichfahrt um den Wendehammer.
Nach zwei weiteren Misch- und Reinigungsdurchläufen kommt schließlich der neue Filter an seinen Platz. Dann wird aufgefüllt. Aus Pflaumenmus ist tatsächlich Pflaumensaft geworden. natürlich aber nur, solange nicht erneut durchmischt wird :-) Ein kleines Wölkchen der alten Plörre trübt nach dem Eingießen bereits wieder den frischen Saft. Insgesamt aber dürfte sich die Konsistenz des Servo-Öls so weit verbessert haben, daß das deutlich straffere Lenkverhalten eine Weile anhalten wird. Außerdem ist der Ausgleichsbehälter nun wieder ordentlich dicht. Hier eine Detailansicht des alten Dichtrings:
Der alte Ölfilter (oben) und der frisch abgedichtete und gesäuberte Servo-Ölbehälter nach erfolgreicher OP (unten). Und wenn schonmal eine Spritze und ein wenig Motor-, Automatik oder Servo-Öl in Griffweite ist, freut sich auch die Wasserpumpe über eine kleine Schmierung. Einfach eine winzige Menge durch das Löchlein (gelber Pfeil) injizieren und die Gewißheit haben, daß es zumindest nicht geschadet haben wird: Jetzt ist alles erstmal wieder bestens geschmiert und dank der Abdichtung des Servo-Ölbehälters auch optisch wieder etwas gepflegter.
Hätte mir vor vier Jahren beim Kauf dieses Wagens jemand gesagt, daß ich einmal ohne Aufsichtsperson ellbogentief in diesem Wirrwarr stecken und "Wartungsarbeiten" durchführen würde, ich hätte es mit der Angst zu tun gekriegt. Fachleuten, die bis hierhin mitgelesen haben, mag das jetzt auch so gehen. Nichtsdestotrotz hoffen wir, daß diese kleine Fotodokumentation einer wirklich lohnenswerten Instandsetzungsmaßnahme interessant und inspirierend für unsere Leser war. Kollege Dreikommanull, der mich und andere zu dieser Maßnahme überhaupt erst ermutigt und angeleitet hat, bereitet in diesen Wochen eine neue Sektion auf fuenfkommasechs.de vor, die sich mit ebensolchen Do-it-Yourself-Reparaturen beschäftigen wird. Danke, Marc! :-) Achso, braucht jemand eineinhalb Gläser Pflaumenmus für seine Schwiegermutter?
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"Pop Art" aus Trotzigkeit: wäre es nach Chefdesigner Bruno Sacco gegangen, hätten einige der allzu typischen Lackfarben der 1970er Jahre (bspw. mimosengelb) für den zukunftsweisenden W126 nicht mehr zur Auswahl gestanden. Der Vorstand setzte sich jedoch trotzig gegen Sacco durch - und unterhielt fortan selbst ein Fahrzeug in grellem mimosengelb. |