Wollte man seine Erfolgsformel auf ein handliches Format reduzieren, in welche Schublade wäre so ein Automobil dann einzusortieren? Geräumig genug wären die Schubladen der „automobilen Oberklasse“ oder meinetwegen die der „Luxusklasse“. Ein echter Mercedes-Enthusiast mit Lederweste und Brillenband denkt jedoch in anderen Kategorien.
Daß eine S-Klasse kein Solarmobil für Sparfüchse ist, wird allgemein bekannt sein. Daß sich aber auch ein Jahrzehnte altes Exemplar dieser Klasse im Unterhalt kaum von den aktuellen W221-Modellen unterscheidet, dürfte manchen überraschen. Wenn wir S-Klasse-Besitzer regelmäßig mit dem Taxi fuhren, würden wir regelrecht Geld sparen. Das hat zwei Gründe:
Kaum zu glauben, und doch wenig überraschend ist, daß Eignern großer Sternenklassiker von ihren moralisierenden Mitmenschen gelegentlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines derart provozierenden Symbols wirtschaftlicher Potenz und umweltpolitischer Sorglosigkeit gestellt wird.
Warum mußte es ausgerechnet ein „Hundertsechsundzwanziger” sein? Der Hauptgrund ist: Die S-Klasse der Achtziger Jahre wurde ab 1974 entwickelt, und daher vermutlich als letztes aufsehenerregendes Automobil noch von Ingenieuren mit Hosenträgern, Pfeife im Mundwinkel und Bleistift hinterm Ohr.
Im Frühling 2006 wurde aus dem Jugendtraum, eines Tages das „Auto des Bundeskanzlers” zu fahren, langsam Ernst. Ich hatte bereits über Monate sporadisch im Internet Ausschau gehalten nach entsprechenden Angeboten. Als es konkret wurde (endlich hatte ich tatsächlich mal "Geld übrig”), war meine Freundin erst gar nicht so begeistert von der Idee.
Träumt ein Auto während seines Winterschlafs? Falls ja, von was? Sicher ist nur, daß sein Besitzer in den letzten Tagen dieser alljährlichen Zwangspause von nichts anderem träumt als dem verdammten Auto. Wird es anspringen? Ist es überhaupt noch da? Soviel vorweg: der Nautikblaue hat auch im April 2008 seine Saison-Jungfernfahrt tadellos absolviert
Wer ein Fahrzeug mit einem Neupreis von rund 150.000 DM sein eigen nennt, was nach heutigem Geldwert in etwa einer Summe von 100.000 € entspricht, muß natürlich auf einiges an Exklusivität und Komfort gefaßt sein. Abgesehen vom Zündschlüssel. Der ist gutbürgerlich, sozusagen „schwäbisches Understatement“…
…und keine Ahnung. Aber wie konnte es soweit kommen? Dazu muß ich ausholen. Seit ich den W126 hatte, stand ich nämlich ganz gern im Stau, zumindest wenn es der übliche Stop&Go Verkehr morgens auf der Hanauer Landstraße in Frankfurt war. Es gab ohnehin keine Alternative. Und nirgendwo anders läßt sich die Warterei besser ertragen als im mobilen Wohnzimmer der S-Klasse.